Trennungsschmerz

Nach 15 Jahren ist es soweit. Wir, Shaun und ich, trennen uns von einem Paar treuer Reisebegleiter: den Lowa Dessert Boots.

Diese Wanderschuhe ohne Membrane waren mir in heißen Gegenden eine sehr gute Alternative zu herkömmlichen Motorradstiefeln. Aber jetzt sind sie wirklich am Ende: die Sohlen lösen sich ab, die ehemals weichen Plastikteile sind durch zig Kilometer in Sonne, Sand und Staub spröde geworden und zerbröseln. Das Gewebe und das Fußbett sind noch top. Einmal, wenn ich mich richtig erinnere, habe ich in den 15 Jahren die Schnürsenkel gewechselt. Hoffentlich bekomme ich so eine hervorragende Qualität noch einmal. Da muss ich jetzt im Winter mal recherchieren.
Da man mir die Schuhe schon mehrfach abkaufen wollte, u.a. ein senegalesischer Grenzbeamter😁, werfe ich die Schuhe nicht einfach in den Müll, sondern lasse sie an der letzten Unterkunft stehen. Vlt. möchte ja noch jemand viel Kleber investieren und sie noch ein klein wenig weiter benutzen.

Es wird grüner

Nach einem gemütlichen Frühstück auf der Dachterrasse…

… starten wir wieder Richtung Norden. Uns bleiben gerade mal noch knapp 3 Tage, bis wir Dienstag Nacht wieder auf die Fähre müssen.

Nördlich von Agadir führt die Straße N1 erst an ein paar schönen Stränden entlang, bevor sich dann durch die hügeliger werdende Landschaft windet. Zuerst ist die Landschaft noch karg und trocken…

… aber dann wird es von Kilometer zu Kilometer merklich grüner:

Etwas südlich von Safi buchen wir eine „Villa mit zwei Schlafzimmern“. Nur das es keine 2 Schlafzimmer gibt. Überhaupt ist das Haus ziemlich renovierungsbedürftig: Ameisen im Untergeschoss, eine untere Toilette, die nicht als Toilette genutzt werden kann (defekt), dafür eine Handbrause über dem Spülkasten (das ist dann das beschriebene Badezimmer) und Wasser, das nicht abläuft (eigentlich doch, aber über den Flur in die Küche) usw. usf.

Schade, denn auf den ersten Blick ist dieses Reihenendhäuschen und die ganze Wohnanlage hier recht nett. Aber eben alles stark in die Jahre gekommen. Einmal eingebaut und dann nix mehr gemacht, so kommt es uns vor.

Abends schlendern wir noch über die Strandpromenade und gehen Abendessen.

Berge

Wir wollen mal ein paar Berge sehen und Kurven fahren 🏍️😁. Deshalb nehmen wir heute nicht den direkten Weg nach Tiznit (unserem heutigen Ziel), sondern machen einen großen Bogen nach Osten durch die Ausläufer des Atlasgebirges.

Auf der Karte sehen wir „Route des Canyons“.

Das interessiert uns, da wollen wir hin 🙂

Die erste Hälfte der Strecke ist noch relativ unspektakulär, aber dann wird es richtig schön.

Wir folgen einem Tal mit breitem Wadi und Oasen-Dörfern.

Die Landschaft erinnert mich etwas an den Oman.

Ebenso wie die teilweise als fast schon bunt zu bezeichnenden Felsen.

Und auch Einblicke in die teilweise recht tiefen Schluchten/Canyons bekommen wir.

Als das Tal noch schmaler wird, muss die kleine Straße oft das Wadi kreuzen. An diesen Stellen ist sie oft zerstört und wir werden zu kleinen Offroad-Einlagen genötigt 🙂

Am Abend kommen wir dann in Tiznit an und checken wieder im uns bekannten Maison de Soleil ein. Auch bzgl. Abendessen werden wir zu Wiederholungstätern: das Restaurant „Im Schatten des Feigenbaums“ ist einfach toll 👍

Morgens am Atlantik

Der Morgen überrascht uns mit dickem, sehr nassem Nebel. Die Motorräder sind nass, als hätte es geregnet. Es ist kalt. Doch nach dem Frühstück sieht es schon wieder ganz anders aus und wir beschließen bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen die kleine Küstenstraße anstatt die große N1 zu nehmen. Die Straße ist zwar schmal, aber in hervorragendem Zustand. Da auch praktisch kein Wind weht, sind die wenigen entgegenkommenden LKW kein Problem.

Später, wieder auf der N1, sehen wir vor uns eine hellbraune Wolke. Ist wohl eine Staubwolke, denke ich. Ist es auch, aber vermischt mit Nebel bzw. Wassertröpfchen. Sehr skurril da durchzufahren.

Am Nachmittag, kurz vor Tan-Tan, schauen wir nach einer Übernachtungsmöglichkeit: verschiedene Zimmer im Hotel Hagounia El Quatia und dann noch eine Auswahl an Bungalows im Camp Equinox gleich gegenüber. Nach dem enttäuschenden Zimmer gestern, hier nun eine positive Überraschung. Alle Varianten sehr schön, sauber und zwischen 200 und 500 Dirham (18€ bis 45€). Wobei man bei Begriffen wie „schön“ und „sauber“ auch dazusagen muss, dass wir diese immer mehr in Relation auf das in den letzten Wochen Gesehene verwenden, und nicht im Vergleich mit Übernachtungsmöglichkeiten in Deutschland oder Westeuropa. Kleinigkeiten wie der defekte Klodeckel, fehlende Seife und Handtücher, nicht richtig schließende Türen, defekte Leuchten usw. nehmen wir zwar war, regen uns aber nicht darüber auf. Jedenfalls entscheiden wir uns für den Bungalow für 300 Dirham (27€). Da können die Motorräder direkt davor parken und wir müssen unsere Sachen keine Treppen hochtragen 🙂

Auch wenn der Strand in Sichtweite ist, wäre es doch ein holpriger Marsch von einem knappen Kilometer quer durch die Sand/Steinwüste 🤪 Auch wird es gleich dunkel. Ich verzichte also aufs Baden und wir gehen noch ins Städtchen, um nach einem kleinen Abendimbiss zu schauen. Wir probieren eine Suppe und von einem anderen Stand noch ein paar Hühnchenspieße. Dazu der obligatorische Tee🙂

El Marsa

Heute haben wir uns in verschiedenen Entfernungen mögliche Etappenziele herausgesucht und wollen schauen, wie weit wir kommen. Wir würden gerne bald das Westsaharagebiet verlassen.

Gemütlicher, schattiger Rastplatz im Grünen:

Die Temperaturen sind angenehm, der Wind mäßig.

An einer Tankstelle treffen wir einen jungen Franzosen, der die Rallye Paris-Dakar zu Fuß meistern will. Wir erzählen ihm vom südlichen Teil Westsaharas, den er noch vor sich hat, sowie von Mauretanien (hatte ich schon erwähnt, dass ich Mauretanien nicht mag?) und den sehr weit auseinanderliegen Möglichkeiten, an Wasser und Essen zu gelangen. Von Übernachtungsmöglichkeiten ganz zu schweigen. Ob er es bis Dakar schafft? Distanzen von 150 bis 200km bedeuten für ihn mindestens 3 bis 4 Tagesmärsche schätze ich. Wahrscheinlich eher mehr. Wir wünschen ihm jedenfalls alles Gute für sein mutiges Unterfangen.

Apropos Tanken und Benzinpreise: Die Tankstellen in Marokko haben einen fast einheitlichen Preis (bis auf ein paar Zehntel-Cent). Aber es gibt ein großen Unterschied zwischen dem Norden (ca. 1,30€) und dem Süden (knapp 1€). An dieser imaginären Grenze steigt/fällt der Preis schlagartig. Es gibt keinen fließenden Übergang. Warum das so ist, wissen wir nicht.

Beim späten Mittagessen in Boujdour beschließen wir, bis etwas nördlich von El Marsa zu fahren. Dort soll es Zimmer direkt am Meer geben.

Damit wären wir noch nicht ganz aus Westsahara heraus und fast auf Höhe der Kanaren.

Nach einer Tagesetappe von knapp über 500km kommen wir eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang dort an. Die Zimmer sind, selbst nach hiesigen Maßstäben, in keinem guten Zustand und recht teuer (45 Euro ohne Frühstück). Da hatten wir hier schon Unterkünfte mit deutlich besserem Preis-Leistungsverhältnis. Aber wir beschließen trotzdem zu bleiben, da es uns für heute einfach reicht 🤪

Ich nutze die unmittelbare Strandnähe…

… und springe noch einmal schnell in den Atlantik, bevor wir bei einem spektakulären (sehr in die Breite gehenden) Sonnenuntergang…

… auf der Hotelterrasse an der Strandpromenade einen marokkanischen Minztee genießen…

Märkte

Auf dem Gemüsemark kaufe ich Bananen und schlenderte durch die Markthalle, in der hauptsächlich Fisch und Fleisch gehandelt werden. Alles sieht sehr frisch aus, selbst jetzt bei Sonnenuntergang, und es riecht auch kein bisschen unangenehm.

An einem Stand mit zig Gebäcksorten stelle ich mir einen Mix zusammen und setze mich dann in eine Teestube (hmmm, klingt so old style, aber ein Café ist es ja eigentlich auch nicht), um auf Chris zu warten.

Nach einem gemeinsamen Abendimbiss und noch einer Runde um den Block geht’s dann zurück in unsere 76qm Ferienwohnung 🙂 (gebucht übrigens über booking.com für 36 Euro)

Mosquée Eddarham

Ich starte derweil einen abendlichen Rundgang durch Daklah. Wie ich so vor der vom Abendlicht angestrahlten Eddarham-Moschee stehe…

… spricht mich ein Mann an und fragt mich, ob ich innen Fotos machen möchte. Dann öffnet er die Moschee, macht das Licht an und zeigt mir alles: die Deckenverzierungen, die Säulen mit Mosaiken, die Bücherregale…

Dann zeigt er mir sogar noch ein Hinterzimmer mit Computertechnik, Videoüberwachung und die Audioanlage für die Muezzinrufe. So wie ich ihn verstehe, ist er wohl der Muezzin . Denn wir verständigen uns mit Händen und Füßen bzw. Gesten. Sehr interessant, dass alles gezeigt zu bekommen. Wieder einmal zeigt sich, dass ein paar freundliche Blicke und ein „Salam aleikum“ viel bewirken können. Dazu kommt, dass Deutsche in den arabisch bzw. muslimisch geprägten Ländern gut angesehen sind. Hier lass ich das praktischerweise meist so einfließen, dass ich entschuldigend sage, dass ich kein Französisch spreche, weil ich aus Dtl. komme😁 Ja ich weiß, das eine schließt das andere nicht aus, funktioniert aber prima 😉

Ad-Dakhla

Durch die andere Zeitzone hier in Marokko/Westsahara wird es erst gegen 8 Uhr langsam hell (nach der Umstellung auf Winterzeit in Dtl., haben wir hier übrigens die gleiche Uhrzeit wie zu Hause). Wir machen noch einen kleinen Check der Motorräder, frühstücken gemütlich und fahren dann weiter Richtung Norden. Heute haben wir es nicht so weit (290km). Unser Ziel: die im Westsaharagebiet auf einer Halbinsel gelegene Stadt Ad-Dakhla. Diese hat eine interessante und abwechslungsreiche Geschichte. Portugiesen, Spanier, Holländer und Franzosen waren hier schon zugange. Später stritten Marokko, Mauretanien und die Frente Polisario um das Gebiet.

Unterwegs tanken wir u.a. wieder an derselben Tankstelle, wo wir vor anderthalb Wochen im Sandsturm standen und 4 andere Motorradfahrer getroffen hatten. So sieht es da, im Gegensatz zu damals, bei schönem Wetter aus:

Noch ein paar Eindrücke von unterwegs:

Kurz vor Daklah gibt Chris‘ Tachoantrieb den Geist auf. Das Problem kenne ich und ist mir auch schon zweimal passiert. Die fehlende Geschwindigkeitsanzeige ist nicht so schlimm, die Geschwindigkeit kann man auch über den Drehzahlmesser bestimmen (3000U=60km/h, 4000U=80km/h usw.). Aber die Transalp hat keine Tankuhr und wir benutzen den Tageskilometerzähler zu Bestimmung des nächsten Tankstopps. Alleinreisende hätten da jetzt ein kleines Problem. Deshalb hab ich auch noch einen Fahrradtacho an meiner Transalp (Uhrzeit, Gesamtkilometer, Tageskilometer…). Bei uns Zweien ist das aber nicht so schlimm. Wir haben das gleiche Motorrad und tanken sowieso immer zusammen.

Wir gönnen uns in Daklah die Ferienwohnung „Residence Agdal“ mit zwei Schlafzimmern, denn Chris braucht noch etwas Erholung und haut sich nachmittags erst noch mal aufs Ohr.