Nationalpark

Heute morgen geht es relativ zeitig (8 Uhr) los in den Nationalpark Manuel Antonio. Dieser ist mit 6,8 Quadratkilometern zwar einer der kleinsten Costa Ricas, aber bei Einheimischen und Touristen sehr beliebt. Er schützt ein 1624 Hektar großes Regenwaldgebiet und hat mehrere schöne Strände.

Am Eingang findet eine strenge Kontrolle der Rucksäcke statt. Einweg-Plastikflaschen, jegliche Nahrung, Messer usw. sind nicht erlaubt. Ich musste mein Taschenmesser für 5 USD in einem Schließfach zurücklassen. 5 USD finde ich unangemessen. Meine Müsliriegel und Zweit-Wasserflasche (Plastik) hat man dafür nicht gefunden. Tipp: was man an Kleinigkeiten mit reinnehmen möchte, einfach am Körper tragen. Es empfiehlt sich auch, ein Fernglas mitzunehmen (generell eine gute Idee in Costa Rica).
Zuerst ging es auf einem festen abgegrenzten Weg durch einen Teil des Regenwaldes.

Da konnten wir verschiedene Vögel und Landkrabben beobachten.

Wir laufen weiter Richtung Küste und durchqueren einen Mangrovenwald.

Frucht der Mangroven:

Dann gelangen wir an die Pazifikküste und laufen nach Süden zur Halbinsel Punta Catedral.

Am Strand sehen wir Leguane, Einsiedlerkrebse und Kokospalmen in Hülle und Fülle.

Wir umrunden die Halbinsel auf dem vorgegebenen Weg und werden mit tollen Ausblicken und einer unvergesslichen Begegnung mit einer großen Gruppe Kapuzineräffchen belohnt.

Diese sind Touristen gewohnt und ziemlich frech. Man muss gut auf seine Sachen aufpassen und sie greifen auch gern in offene Taschen. Einer wollte sich mein kleines Fernglas „ausborgen“, welches ich aber glücklicherweise um den Hals gehängt hatte.

Nur ein paar Meter weiter gleich die nächste Begegnung mit einer weiteren Affenart: Brüllaffen:

Beim Verlassen der Halbinsel legen wir noch einen Badestopp ein. Für mich eine Premiere: zum ersten Mal im Pazifik schwimmen 😃

Auf dem weiteren Weg sehen wir Tukane und Faultiere, aber leider zu weit weg für Fotos. Dann, schon fast am Ende der 5stündigen Tour, noch ein absoluter Glücksfall mit einem Faultier: Diese steigen nur einmal in der Woche vom Baum, um ihr großes Geschäft zu verrichten. Und wir erwischen ein an einer Liane aufsteigendes Tier nahe am Weg und bestens sichtbar.

Eine tolle Tour! Wir haben viele interessante Tiere und imposante Pflanzen gesehen und fahren glücklich und auch etwas müde zurück ins Hotel.

Quepos

Weiter unterwegs Richtung Südosten halten wir im kleinen Ort Parrita. Ich hebe bei der Banco National Bargeld zum Kurs von 582 inkl. Gebühren ab und kaufe auch gleich mal eine große Mango für 2400 CRC (ca. 4,10€). Die Mangosaison hat gerade erst begonnen. Später im Jahr bekommt man wohl eine ganze Kiste für 5 Dollar meint der Reiseleiter. Ich werde also meinen Urlaub bis März verlängern 😁

Gegen halb 5 kommen wir in unserem Hotel für die nächsten 2 Nächte an, dem La Foresta Nature Resort in der Nähe von Quepos. Die Zimmer sind groß und sauber.

Die Hotelanlage im Bungalowstil ist sehr schön und hat auch einen Pool. Den nutze ich auch gleich noch schnell, denn ab halb 6 wird es schon wieder dunkel.

Das Wasser im Pool ist sehr warm (ca. 28°C) und bringt kaum Erfrischung. Die Pina Colada dagegen schon 😜.

Heute zu Silvester ist auch das Abendessen inklusive: Brokkolicremesuppe, Surf & Turf, Tiramisu.
Nach dem Essen wird die Musik leider so laut aufgedreht, dass wir Vier uns nicht mehr unterhalten können. Kurz nach 22 Uhr kapitulieren wir und verlassen die Abendveranstaltung. So wird es wohl nichts mit den Reinfeiern ins neue Jahr.

Bootstour

Gegen Mittag kommen wir in der Nähe des Ortes Tarcoles an, dort wo der Fluss Tarcoles in den Pazifik mündet. Dieser Brackwasserbereich ist bekannt für seine große Menge an Krokodilen und Vielfalt an Vögeln.

Und tatsächlich sehen wir auf dieser anderthalbstündigen Bootstour Krokodile jeglicher Größe und viele verschiedene Vögel.

Gelbkopfkarakara

Nacktkehlreiher

Spitzkrokodil

Einheimische Fischer

Zum Schluss sehen wir noch ein riesiges Krokodil auf einer Sandbank direkt am Meer, das trotz seines abgebissenen Schwanzes sicher 5-6m lang ist. Ich konnte aber leider niemanden aus unserem Boot überreden, sich wg. eines Größenvergleichs einmal neben den Giganten zu stellen.

Diese Ökosysteme hier sind wichtig für den Naturschutz, insbesondere für den Scharlachara, eine gefährdete Vogelart.
Wir sehen auch einige Aras, die unser Boot überfliegen, aber für ein gutes Foto reicht es (noch) nicht.

Insgesamt eine wirklich lohnende Bootstour, bei der man viele der hier lebenden Tiere zu Gesicht bekommt.

Costa Rica Tag 1

Das Hotelzimmer im Palma Real ist groß und sauber und die Klimaanlage angenehm leise.
Ich bin zeitig munter und gönne mir schon 6:30 ein ausgiebiges Frühstück. Dann drehe ich eine kleine Runde ums Hotel. Selbst hier in der Hauptstadt grünt und blüht es überall.

Der Geldautomat nebenan ist immer noch außer Betrieb, aber Bargeld ist hier nicht ganz so wichtig, denn man kann auch oft mit Karte zahlen. In Hotels und Restaurants auf alle Fälle. Aber ich habe trotzdem gern Bargeld dabei, z.B. für ein Getränk oder einen Snack unterwegs.

Für 9 Uhr ist Check Out und Abholung am Hotel geplant. Wie sich herausgestellt, besteht unsere kleine Gruppe aus 4 Personen + Guide + Fahrer.
Pünktlich verlassen wir in einem modernen Kleinbus die Hauptstadt auf der Panamericana Richtung Nordwesten, durchqueren den Distrikt Alajuela …

… und biegen dann Richtung Süden ab. Unterwegs machen wir einen kurzen Kaffeestopp und genießen den Blick über die bergige Landschaft bis hin zur Pazifikküste.

Unterwegs erzählt uns unser Guide Interessantes zu den Distrikten, zu den angebauten und exportierten Früchten (Bananen, Kaffee Arabica, Ananas, Tabak usw.) und Allgemeines zu seinem Heimatland.

Ankunft San José

Unterwegs verschollen im Bermudadreieck 😜

Letztendlich aber doch in SJO San José angekommen. Insgesamt waren es ca. 20h Reisezeit: Stuttgart Check-in 7:45, 9:45 Abflug nach Amsterdam, 13:40 Weiterflug mit ca. 12h Flugzeit von AMS nach SJO. Kurz vor 19 Uhr endlich an ein freies Gate in San José angedockt, nachdem wir eine Dreiviertelstunde auf dem Vorfeld rumgestanden haben. 20 Uhr habe ich dann endlich meinen Koffer in den Händen. Eine freundliche Dame von Ara-Tours hat am Flughafenausgang auf mich gewartet, mir noch ein paar Reiseunterlagen, sowie eine schöne Aluminium-Wasserflasche und einen Steckdosenadapter übergeben und mich dann zu einem Fahrer ins Auto gesetzt. Gegen 20:45 war ich dann im Hotel (3:45 Uhr dt. Zeit). Der Geldautomat um die Ecke hat leider nicht funktioniert. So muss das Eindecken mit Bargeld bis morgen warten.

Dann geht es nach dem Frühstück gegen 9 Uhr auch richtig los🙂

Costa Rica

Interessante Fakten:
In Costa Rica wurde die Armee bereits 1948 zugunsten von Bildungs- und Gesundheitsprogrammen abgeschafft.
Fast 100 % seines Strombedarfs gewinnt das Land aus regenerativen Energien.
Der Ökotourismus wird stark gefördert.
Mehr als ein Viertel der Landesfläche stehen unter Naturschutz.
5,2 Millionen Menschen leben hier auf 51.100 km².
Die Zeitverschiebung beträgt 7h (Zeitzone UTC-6) also bspw. 18 Uhr in Dtl. entspricht 11 Uhr in Costa Rica.
Netzspannung: 120 V bei einer Frequenz von 60 Hz. D.h. das Handy lädt nur halb so schnell, dafür aber mit höherem Herzschlag (des Besitzers) 😜. Aber im Ernst: Ladegeräte sollten schon darauf ausgelegt sein. Sind sie aber in aller Regel.
Währung ist der Colón (1 Euro ca. 580 Colón).
Bereits 1983 erklärte Costa Rica seine „dauerhafte und aktive unbewaffnete Neutralität“ und wird auch als „die Schweiz Zentralamerikas“ bezeichnet.
Ich bin gespannt 🙂

Auf ins Warme

Shaun und Elfie wollen ins Warme (ich natürlich auch😄). Deshalb geht es von heute bis Mitte Januar nach Mittelamerika, an die „Reiche Küste“, nach Costa Rica 🇨🇷. Das kleine Land ist ein richtiges „Zwischen-Land“ – zwischen Nicaragua und Panama, auf dem schmalen Landstreifen zwischen Nord- und Südamerika gelegen und zwischen dem Pazifik im Westen und dem Atlantik (bzw. der Karibik) im Osten. Passend dazu mache ich, mit KLM von Stuttgart kommend, einen Zwischenstopp in Amsterdam.Es gibt zwar auch Direktflüge von Frankfurt, aber diese sind sehr teuer und außerdem ist man dann der Gnade der DB bei der Anreise ausgeliefert.

Start in Stuttgart :

Blaubeuren Schmiedekurs Tag 2

Heute, am zweiten Tag des Damastschmiedekurses geht es vor allem um die Themen Messergriffe und Finish der Messer.
Wir können zwischen verschiedenen Hölzern (teilweise mit Aufpreis) und Griffformen wählen.

Ich entscheide mit für einen – für ein japanisches Kochmesser – untypischen Griff: geräucherte Eiche in ergonomischer Form.

Mehr zum Thema Messergriffe und Griffformen findet ihr bspw. hier https://knife-art.de/messergriffe-im-vergleich-japanische-vs-europaeische-griffformen/

Wir zeichnen die ungefähren Umrisse der gewünschten Griffform auf und dann geht es (wieder mal) an den Bandschleifer …

… wo wir mit 40er Körnung die grobe Form des Griffes herausarbeiten.

Dann ist viel Handarbeit angesagt: mit Sandpapier geht es stufenweise an den Feinschliff: 80er , 180er, 320er Papier.

Dann wird das Holz einmal nass abgewischt, damit sich die Holzfasern noch einmal aufstellen. Nach dem Trocknen gibt es dann noch einmal ein Finish mit 320er und 600er Papier. Mit dem Leinöl, welches wir zum Schluss auftragen, bekommt der Griff noch einmal eine deutlich dunklere Farbe.

Während wir die Griffe schleifen und polieren, nehmen sich zwei Profis der Schmiede unsere Klingen vor. So wie auch die anderen Teilnehmer, möchte ich im oberen Teil der Klinge aus optischen Gründen einen Streifen sogenannter Schmiedehaut stehen lassen, so wie der komplette Rohling zum Schluss nach dem Anlassen aussah.

Dann schleifen wir selbst noch den soganannten Erl an, als Vorbereitung für das spätere Einpassen der Klinge in den Messergriff.

Vor der Hochzeit (Vereinigung von Klinge und Griff) steht aber noch das Ätzen an:

Die Klingen werden für ca. 10 Minuten in 30-prozentige warme Schwefelsäure getaucht. Dabei wird der Manganstahl „angefressen“ während der Nickelstahl weitgehend unversehrt bleibt.

So entstehen die typischen schönen Muster von Damastklingen.

Noch zwei Schritte, dann haben wir es geschafft.
Wir bringen den Erl zum Glühen ( ca. 800 Grad), „brennen“ ihn in den Griff ein und ziehen ihn wieder heraus. Dann feilen wir die entstandene Kohle aus dem Griff heraus und kleben anschließend die Klinge mit 2-Komponentenkleber ein.

Beim letzten Schritt, dem Scharfschleifen der Klingen, bekommen wir auch noch einen Crashkurs zum Thema Messerschleifen. Die Einzelheiten erspare ich euch. Aber wenn ihr mal ein Messer-Forum aufmischen wollt, dann werft einfach eure Version der besten Tools für den Messeranschliff in den Ring. Und schon fliegen nach kürzester Zeit die Fetzen. 😁 Das ist vergleichbar mit einem Motorrad-Forum, wo ihr einen Thread zum Thema beste Reifen oder bestes Motoröl aufmacht. Ganz großes Kino.😂
Ich werde jetzt jedenfalls auf Diamant-Trockenschleifsteine plus Abziehleder zum Schärfen meiner Messer wechseln.

Aber hier nun endlich mein Endprodukt kurz vor 19 Uhr am Sonntagabend:

Ich als (ehemaliger) Perfektionist bin mit den Proportionen meines Messer zwar nicht ganz zufrieden, aber für meine erste Schmiedearbeit kann man das schon mal durchgehen lassen.😉

Ich hoffe, ihr hattet etwas Spaß bei meinen Schilderungen des 2-Tage-Damastschiedekurs in Blaubeuren. Vielleicht habt ihr ja selbst Lust bekommen, so etwas einmal auszuprobieren.
Übrigens kann so ein Kurs auch ein ganz besonders Geschenk für jemanden sein, der euch sehr am Herzen liegt.

Ach ja, kommendes Wochenende geht es bei mir übrigens noch einmal um das Thema Metallbearbeitung – ein 2-Tage-Schweißkurs über die VHS.

Blaubeuren Blautopf

Heute, am Sonntag Morgen morgen, checken wir gegen 9 aus dem Hotel aus und haben somit noch ewas Zeit, bis 10 Uhr der zweite Teil unseres Schmiedekurses beginnt.
Was liegt also näher, als den berühmten Blautopf, die Quelle des Flusses Blau, anzuschauen.
Das Gelände um den Blautopf ist aktuell eine Baustelle und nur zum Teil begehbar. Da wir eh in Arbeitsklamotten sind und hoffen so nicht aufzufallen, parken wir ganz frech in der Baustelle (andere Bauarbeiter sind zum Sonntag ja keine da) und schauen uns den Quelltopf und das Geländer drumherum soweit wie möglich an.

Leider kann man nicht um den Blautopf herumlaufen. So ein schönes Bild wie „Quelltopf mit Kloster Blaubeuren“ in Wikipedia bekommt man also nicht hin.

Aber die Farbe, das klare Wasser und die Spiegelungen sind sehr schön.

Der Blautopf ist ca. 21m tief und gleichzeitig Zugang zum Blauhöhlensystem.
Früher war der Blautopf auch unter Hobbytauchern sehr beliebt. Aber nach mehreren, zum Teil tödlichen, Tauchunfällen, ist er seit den 1980er Jahren für (Hobby)Taucher gesperrt.
Die Blau ist relativ kurz, fließt ca. 22 km nach Osten und mündet dann bei den Ulmer Donauwiesen in die Donau.

Blaubeuren Schmiedekurs Tag 1

Samstag 10 Uhr in einer Schmiede am Stadtrand von Blaubeuren. Schmieden eines Damastmessers. In 2 Tagen. Für Laien. Kann das funktionieren?
Am Ende des ersten Tage kann ich sagen: Ja, das könnte hinkommen.
Dabei stand der Beginn des ersten Tages unter keinem guten Stern. Anstatt der max. 4 Teilnehmer standen auf einmal 6 Personen auf der Matte. Aber Jonathan (Mitte) …

… der sehr junge Schmied mit unglaublich viel Wissen (über Chemie, Werkstoffkunde, Geschichte der Eisengewinnung…) nahm es gelassen. Ein paar Engpässe bei der Werkstückbearbeitung gab es schon, aber letztendlich konnten alle ganz gut damit leben.
Aber der Reihe nach.
Nach einer groben Einweisung in den Ablauf der nächsten 2 Tage bekommen wir einem kurzen historischen Abriss der Metallverarbeitung.


Wie wir weiter erfahren, hat das Falten und wiederholte Feuerverschweisen des Stahls weniger mit dem Aussehen, als historisch bedingt mit dem „Austreiben“ von Verunreinigungen aus den Eisenklumpen (Luppen, rechts oben) zu tun. Erst als die so hergestellten Messer und Schwerter zu Statussymbolen wurden, hat man auch mit den optischen Linien der Schichten experimentiert und diese als Gestaltungselemente eingesetzt.

Dann nehmen wir unsere, von der Schmiede vorbereiteten, Werkstücke in Beschlag:

Ein Block aus 15 Lagen Stahl (rechts im Bild) für je 2 Personen wurde schon für uns vorbereitet und zu einem massiven Klotz feuerverschweißt (links im Bild).
Es handelt sich um 2 verschiedene Kohlenstoffstähle – Mangan- und Nickelstahl mit zusätzlich Karbiden und Wolfram für die Härte und Schneidhaltigkeit.
Es sind also keine Chrom-, sondern eben Kohlenstoffstähle, wie sie auch die Japaner wegen der erreichbaren Schärfe verwenden. Rostfreiheit (durch Chrom) spielt bei uns keine Rolle.
Was wir hier herstellen werden, nennt sich „Wilder Damast“ – im Gegensatz zu anderen Damastklingen, wo es vor allem auf die Optik ankommt. Bspw. wie hier, wo 5 verschiedene Damaststähle wiederum ineinander verdreht und verarbeitet werden:

Alle 6 Teilnehmer unserer Gruppe haben sich für Kochmesser entschieden, die wir bis morgen Abend fertigen werden. Hier ein paar Beispiele, an denen wir uns orientieren konnten:

Und dann geht es auch schon ans Schmieden:

Immer wieder erhitzen wir unsere 15 Lagen Ausgangsmaterial bis um die 1000 Grad und schmieden unter dem pneumatischen Schmiedehammer unseren Block bis auf ca 5 cm Breite und einem halben Meter Länge.

Dann kommt ein anstrengender Teil:
Dieser (noch) 15lagige Flachstahl muss vor dem nächsten Schritt möglichst vollständig von Zunder/Schmiedehaut befreit werden. Also ran an die Flex mit der Schrubbscheibe. Das ist körperlich anstrengend und zeitaufwendig.


Und es gibt nur 2 Flexarbeitsplätze. Jetzt rächt es sich, dass wir 6 anstatt 4 Personen sind und damit 3 Werkstücke anstatt 2 bearbeiten müssen. Aber irgendwann ist auch das geschafft.

Danach schneiden wir diesen „Flachstahl“ in 7 gleichlange Teile und legen diese nun 105 Schichten (7×15= 105) Lagen Stahl nochmals übereinander.
Per Mag-Schweißen werden die Ecken zusammengeheftet. In der Esse (Gasofen) wird das Werkstück auf 700-800 Grad erhitzt und an den Ecken mit kräftigen Hammerschlägen per Hand zusammengefügt.


Wieder ab in die Esse, Borax als Flussmittel drauf, Esse, 900 Grad, Borax, Esse, 1000 Grad, Lufthammer auf Halbgas, Bürsten, Borax, Esse, 1200 Grad, Lufthammer auf Vollgas … So geht es eine ganze Weile, bis wir unser Werkstück in Form und auf die gewünschte Länge für 2 Messerrohlinge gebracht haben.

Dann werden die gewünschten Messerformen aufgemalt ( 2 Messer pro Stahlstück ). Nach dem Halbieren mit dem Trennschleifer arbeitet jeder an seinem eigenen Rohling weiter. So entstehen an den Bandschleifern unsere Messer in ihrer ganz groben Form. Diese Rohlinge sehen jetzt noch gedrungen und ziemlich kurz aus, aber das wird sich im nächsten Schritt noch ändern.

Dann geht es ans Feinschmieden/Tampern, um nochmals Länge zu gewinnen und um die gewünschte engültige Dicke zu erreichen.

Nach nochmaligen Aufmalen und intensivem Schleifen liegt dann endlich der Messerrohling in seiner entgültigen Form vor uns.

Ich habe mich übrigens – wie man sieht – für ein japanisches Kochmesser entschieden (rechts).

Mittlerweile ist es früher Abend.
Nun wird noch der sogenannte Erl angeschweißt – eine Verlängerung aus Baustahl, die später in den Griff hineinragen soll.

Es folgt jetzt noch das Härten in 3 Schritten:
1) Normalisieren: der durch das Schmieden „gestresste“ Stahl wird auf 900 Grad in der Esse (Gasofen) erhitzt, danach langsam an der Luft abgekühlt und soll sich dadurch entspannen.
2) Das eigentliche Härten: der Messerrohling wird in einem kleinen Elektroofen auf ca. 830 Grad erwärmt und dann in einem Härteöl auf und ab bewegt, bis er etwas abgekühlt ist.
3) „Anlassen“: in einen weiteren Elektroofen wird der Rohling noch einmal auf 180 Grad erwärmt. Dadurch wird die Härte/Sprödigkeit auf ca 60 bis 61 Rockwell zurückgenommen und das Material wieder ein ganz klein wenig zäher und elastischer.

Gegen 19 Uhr haben wir es für heute geschafft. Ein anstrengender Tag liegt hinter uns. Jetzt ab ins Hotel Ochsen, duschen und dann ein ordentliches Abendessen. Das haben wir uns verdient😋