Gegen 22 Uhr komme wir in unserer Unterkunft an. Die Fahrt vom Flughafen ins Zentrum von Havanna war – sagen wir mal – etwas traurig. Praktisch alle Häuser und Straßen sind für unsere Augen „renovierungsbedürftig“. Es ist viel Müll auf den Straßen und manche Straßenecken werden als Müllhalde genutzt. Ob diese von Zeit zu Zeit „geleert“ werden, muss ich mal noch rausbekommen.
Unsere Unterkunft ‚Casa Juan de la Habana‘ ist ein großes Gebäude mit Zimmern auf 2 Etagen und ich würde es als Privathotel bezeichnen.
Nach 12stündigen Flug – vorbei an Grönland und dann die Ostküste der USA entlang südwärts, über Florida bis nach Kuba – komme ich 20 Uhr Ortszeit (Dtl. 2Uhr) in Havanna an.
Es dauert etwas, bis der Reiseleiter vor Ort seine Schäfchen zusammen hat und so nutze ich die Zeit, um Telefon- und Datenverbindung zu checken. Mein dt. Provider bietet verschiedene Datenoptionen für Kuba an – Tages-, Wochen- und Monatspakete. Ich entscheide mit für 28 Tage / 3GB und bin gespannt, wie flächendeckend ich das hier nutzen kann.Jetzt warten wir im Bus, bis die letzten Reiseteilnehmer ihr Koffer vom Band gefischt haben und dann geht es in die Unterkunft.
Ja, heute startet sie – die große 3-wöchige Rundreise durch Kuba. Und diesmal nicht mit dem Motorrad (obwohl die Kubaner auch gerne mal mit MZ unterwegs sind), sondern per Kleingruppenrundreise mit Übernachtungen in sogenannten ‚Casas Particulares‘. Das sind Privatunterkünfte auf Kuba, die mit einer Lizenz des kubanischen Staates an Touristen vermietet werden dürfen. Die kubanischen Gastgeber vermieten also Zimmer ihres eigenen Hauses an Reisende. In der Regel leben die kubanischen Gastgeber ebenfalls in der Casa Particular. Für Reisende schafft das die Möglichkeit, einen authentischen Einblick in das Leben der Kubaner zu bekommen.
Kuba hat eine Zeitverschiebung von 6h zu Deutschland (18 Uhr Dtl. = 12 Uhr Kuba). Die Währung ist seit 2021 nur noch der ‚Peso Cubano‘ (CUP). Vorher gab es zusätzlich noch einen an den USD gekoppelten zweiten Peso. Der offizielle Kurs zum Euro ist zurzeit ca. 1:26, aber es existiert ein Schwarzmarkt mit deutlich anderen (ca. 4fach höheren) Umtauschkursen. Die wirtschaftliche Situation im Land ist wohl nicht so gut. Einen sicher nicht unerheblichen Anteil an der seit Zusammenbruch des Ostblocks prekären Wirtschaftssituation des Landes hat das seit über 60 Jahren andauernde Embargo der USA gegen Kuba.
Aber jetzt schauen wir (Shaun und ich) erst einmal selbst, wie das Land und die Menschen auf uns wirken. Ja, Shaun ist natürlich auch wieder mit dabei und ist schon sehr gespannt, ob und wie viele Schafe es auf Kuba wohl gibt 🙂 Spannend wird auch, wie es mit dem Internetzugang bestellt sein wird, den ich ja brauche, um den Blog zeitnah zu füllen …
Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Panoramablick über Bad Reichenhall…
… geht es bei durchwachsenem Wetter auf die letzten Kilometer nach Hause.
Fazit: Die 3wöchige Tour war länger als gedacht (über 6tkm statt der geschätzten 5tkm), und das, obwohl wir einen (nicht mit eingerechneten) Teil mit der Fähre von Ancona (Italien) über Nacht nach Igoumenitsa (Griechenland) bewältigt haben. In dieser Zeit haben wir 11 Länder bereist (Dtl., Österreich, Italien, San Marino, Griechenland, Bulgarien, Nordmazedonien, Albanien, Montenegro, Kroatien und Slowenien). Ganz genau waren es 6306km. Bei einer reinen Fahrzeit von (lt. Fahrradcomputer) 100:08h ergibt das einen Schnitt von 63 km/h. Das kommt mir zwar etwas viel vor, aber vlt. rechnet der Fahrradcomputer Stillstände wie Ampeln, kurze Pausen, Fotostops o.ä. nicht mit. Das müßte ich mal austesten.
Jedes Land war für sich schön und keines hat uns enttäuscht. Aber mein persönlicher Favorit und Überraschungssieger ist Montenegro – ein tolles Land mit super schönen Nationalparks im Norden und einer beeindruckenden Adriaküste mit der Bucht von Kotor im Süden. Aber auch der Süden Albaniens und die Schwarzmeerküste von Bulgarien waren sehr schön. Und das fünftkleinste Land der Welt, San Marino, hat auch seinen ganz eigenen tollen Charm. So könnte man endlos weiter aufzählen… Schade ist, dass der Süden von Dtl. und Südtirol so teuer bei den Übernachtungsmöglichkeiten ist. Die preiswertesten Unterkünfte lagen hier zwischen 70 und 110 Euro. Deutlich günstiger war es in Bulgarien, Nordmazedonien, Albanien und Montenegro (20 bis 40 Euro). Die restlichen Länder lagen so im Mittelfeld. Die Unterbringungen waren manchmal sehr einfach (Gaskartuschenkocher als „Küche“) und klein (12qm), aber auch mal fast schon luxuriös (Zeus Appartments in Ljubljana). Die ganze Tour muss jetzt erst mal sacken, die Bilder gesichtet und sortiert werden und dann kann man die Reise im Winter noch einmal gedanklich Revue passieren lassen.
Unsere vorletzte Etappe führt uns u.a vorbei am Bleder See im Nordwesten Sloweniens. Trotz der Jahreszeit und des nicht so guten Wetters sind dort viele Touristen unterwegs.
Anschließend wollten wir noch über den Vrsic Pass ganz im Nordwesten, nahe der Grenze zu Österreich, fahren. Aber die Spitzkehren mit nassem, laubbedeckten Kopfsteinpflaster mag ich mir so fast am Ende der Tour nicht geben. Das Risiko, mit dem vollbepackten Motorrad wegzurutschen, ist mir zu hoch. Dafür belohnt uns die vom Navi herausgesuchte, mautfreie Tour mit einer tollen Route über den Wurzenpass nach Österreich, nach Friesach westlich durch das wunderschöne Metnitztal, weiter über Tauernpass …
… Richtung Salzburg und letztendlich nach Bad Reichenhall zu unserer letzten Übernachtung auf dieser Tour.
Unsere noble Unterkunft mit rustikaler Küche liegt direkt am Rande der Altstadt von Ljubljana.
Das ist auch gut so, denn es regnet leider immer noch und so haben wir es nicht so weit, trotzdem alles zu erkunden: die Flusspromenade, den Dom … bis hin zur Drachenbrücke.
Heute morgen verlassen wir den Nationalpark Plitvicer Seen und machen uns nach einem ausgiebigen Frühstück in der sehr gut ausgestatteten Gemeinschaftsküche unserer Unterkunft auf den Weg nach Slowenien. Die Route führt uns erst Richtung Nordwesten an die Adria, dann weiter die Küstenstraße entlang nach Norden. Die See ist rauh und stürmisch.
Als wir später nordöstlich ins Landesinnere abbiegen, kommt Regen dazu. So lassen wir die Höhlenburg Predjama aus und fahren direkt weiter in Sloweniens Hauptstadt Ljubljana.
Der Nationalpark Plitvicer Seen liegt nur ein paar Kilometer westlich der Flugzeugkavernen und ist die Endstation unserer heutigen Tagesetappe. Landschaftlich sehr schön und touristisch gut erschlossen. Das bedeutet: zahlreiche, relativ preiswerte Übernachtungsmöglichkeiten und Restaurants. Wir entscheiden uns für eine einfache Unterkunft (28 Euro) mit Gemeinschaftsküche.
Die Flugzeugkaverne Željava, nahe der bosnischen Grenze, war die größte militärische Flugzeugkaverne Europas! Und die besuchen wir heute 😊. Das für mich Erstaunlichste ist, dass dieses (ehemals) militärische Gelände, auf dem es wohl auch heute noch Landminen gibt, ohne weiteres erkundet werden kann. Keine Absperrungen, keine Kontrollen, kein Eintritt, kein Regeln – außer dem gesunden Menschenverstand. Und jetzt im Herbst auch ziemlich verlassen/unbesucht:
Heute morgen sind wir zum ersten Mal seit über 2 Wochen ein klein wenig nass geworden und anderthalb Stunden im leichten Regen Richtung Norden (dem besseren Wetter entgegen 😁) gefahren.
Der Weg vom autarken Süden Kroatiens um Dubrovnik führt seit Mitte 2022 nicht mehr zwangsläufig durch den schmalen, zu Bosnien-Herzegowina gehörenden Adriaabschnitt um die Stadt Neum, sondern kann nun auf der neu gebauten Fernstraße auf der Pelješac-Halbinsel und der Pelješac-Brücke komplett auf kroatischem Gebiet zurückgelegt werden. Das spart 2 Grenzübertritte. Wir probieren natürlich diese neue Route aus. Eine tolle Strecke!
Split, die zweitgrößte Stadt Kroatiens hat auch eine schöne Altstadt zu bieten. Jetzt hatten wir zwar 3 alte Küstenstädte an der Adria in 3 Tagen gesehen, aber jede Stadt hat schon ihren eigenen Charme: Kotor – die kleine übersichtliche Stadt der Katzen, Dubrovnik – die flächenmäßig deutlich größere Stadt mit ihren tollen Gassen, und irgendwie dazwischen Split – die Stadt mit starkem römischem Einschlag, welcher auch deutlich an den Gebäuden und Ruinen zu erkennen ist. Immer bezogen auf die Altstadt natürlich. Aber schaut selbst: